Thema: Wie grosse Positivformate abziehen?
Autor: Rudi Herrmann

Meine Erfahrungen bei dem Versuch grosse Prints zu machen.

Ich bin irgendwann auf den Gedanken gekommen meine Faehigkeiten einen Print zu machen seien gut genug um die Bilderrahmen meiner Zimmer zu fuellen. Hier jetzt eine Sammlung von Gedanken und den Erfahrungen welche ich bis jetzt gemacht habe (... ja ich bin noch nicht fertig).

Die Vergroesserung

Meine ersten Versuche sollten mit dem zu dieser Zeit vorhandenen Vergroesserer, meinem Jobo C6600, gemacht werden. Als Basis sollten die mit meiner Mamiya 645 Super aufgenommenen 6x4,5 qcm Negative dienen. Da der Vergroesser mit dem 80mm Objektiv und diesen Negativen nur bis 30x40 qcm konnte, musste ich hier ueber die Horizontalvergroesserung nachdenken.

Horizontalprojektion
Das erste Problem bei der horizontalen Projektion ist die Projektionsflaeche. Da war erstmal keine geeignete vorhanden. Ich habe als Loesung fuer diesses Problem eine beschichtetet Spanplatte gekauft und ein vorhandenes Holzregal geschraubt. Um die Plattenebende auszurichten, habe ich die Platte nicht direkt an das Regal geschraubt, sondern ueber Gewindestangen auf Abstand gesetzt, und die Ebene so einstellbar gemacht.
Als weiteres zeitraubendes Problem stellte sich die Justierung des Vergroessserers heraus. Einen Vergroesserer dessen Kopf lediglich um 90 Grad drehbar ist, der aber ansonsten keinerlei Justiermoeglichkeiten bietet beschleunigt das ganze nicht sonderlich. So muss die vertikale Ausrichtung ausschliesslich ueber drehen des gesamten Vergroesserers (inclusive Grundbrett) erfolgen. Da ich keine Messhilfe (Laser, etc.) zur Verfuegung habe, habe ich ausschliesslich ueber das Ausmessen des Bildfeldes justiert.

Der gesamte Aufbau war neben der zeitraubenden Ausrichtung (bis zu 30min.) auch empfindlich gegen Erschuetterungen, welche das System immer wieder verstellt haben. Zudem war die Groesse, bzw. der Ausschnitt, nicht mehr nachtraeglich zu aendern. Ich habe mich daher nach einem anderen, fuer solche Masstaebe geeigneten, Vergroesserer umgesehen.
Meine Wahl fuer einen anderen Vergroesserer fiel dabei recht schnell auf die Durst Laborator 138/139 Reihe. Diese ist auf Grund ihres Alters recht guenstig zu erwerben, verfuegt aber ueber ein grosses Potential an erhaeltlichen Zuruestteilen. Mit diesem Vergroesserer sind Abzuege mit einer Kantenlaenge von 100 cm auf dem Grundbrett moeglich.

Belichtungszeiten
Weitere Probleme sind bei der Ermittlung der fuer die Belichtung notwendigen Zeiten aufgetreten. Ich verwende ein langsames Papier, dass fuehrt bei einem 24x30 Abzug zu Zeiten von ca. 20 Sekunden. Dies fuehrt bei Kantenlaengen groesser 50 cm zu Zeiten groesser 4 Minuten. Fuer einen ungeduldigen Menschen wie mich eine furchtbar lange Zeit um Probestreifen zu machen.

Staub
Der Vollstaendigkeit halber sei hier auch noch der Staub erwaehnt, der mit zunehmendem Masstab, auf dem Abzug ebenfalls an Groesse gewinnt. Es hat sich daher die sehr gruendliche Reinigung vor dem Vergroessern bewaehrt.

Die Entwicklung

Wie fuehrt man die Entwicklung eines solch grossen Papieres durch?
Neben der Schalenentwicklung, sollte hier auch die Entwicklung durch rollen des Papieres in betracht gezogen werden. Dabei wird das Papier immer umgewickelt. Zu sehen ist dieses Verfahren im Film 'The Warphotographer', ein Film ueber James Nachtwey, kurz vor Ende des Filmes. Das Papier wird dabei zwischen den Rollen an der tiefsten Stelle durch die Chemie gezogen.
Fuer das benannte Umwickeln des Filmes wurde im Forum von www.sw-magazin.de vorgeschlagen einen Blumenkasten zu nehmen. In de.rec.fotografie wurde hierfuer die Verwendung von halbierten Rohren, oder von Dachrinnen vorgeschlagen. Der Nachteil dieser Behelfsgefaesse ist, dass es keinen Tropfrand gibt, daher wird die Umgebung oft mit Fotochemie kontaminiert. Fuer diese Art der Entwicklung gibt es aber auch Wannen zu kaufen, nur ist deren Anschaffung mit erheblichem finanziellem Aufwand verbunden. Eine Quelle dafuer ist der Versender Monochrome.

Wannenentwicklung
Alternativ gibt es immer noch die ganz normale Wannenentwicklung. Diese hat einen nicht zu unterschaetzenden Platzbedarf. Ist doch ein Gefaess mit zumindest der Groesse des Papieres notwendig. Um nicht mehrere dieser Gefaesse (Wannen) zu benoetigen, sollte man ueber die Einschalen-Entwicklung nachdenken (hierzu etwas im Abschnitt Chemikalen). Das es speziell fuer die Entwicklung von Abzuegen hierzu keine komerziell erhaeltlichen Wannen mehr gibt, muss man sich nach Alternativen umschaunen. Fuer die kleineren Formate (bis 60x70 qcm) hat sich bei mir der Bettkasten Dillingen von Ikea bewaehrt. Er ist aus Kunstoff laesst sich sehr gut reinigen und hat eine vollstaendig geschlossene Wanne. Es gibt aber leider verschiedene Versionen, zum einen der ebene Wannenboden, so wie den mit Vertiefungen an jenen Stellen wo die Fuesse sind. Der Nachteil der zweiten Variante ist der leicht erhoehte Chemikalienbedarf.
Ebenso bewaehrt hat sich eine Aufangwanne fuer Europaletten, die Papiergroessen bis 80x100 qcm ermoeglicht. Im Forum von www.sw-magazin.de wurde auch eine Selbstbauvariante diskutiert. Hierbei wird ein Brett mit einem Rahmen versehen, welcher das ueberschwappen der Chemie verhindern soll. Als Schutz fuer das Holz kann eine Teichfolie verwendet werden. Das Brett soll leicht schraeng gestellt sein, damit die Chemie zu einem Ende laeuft. Hier wird im Wechsel ein Eimer untergestellt und mit dem zweiten, dass Papier laufend uebergegossen.

Trommelentwicklung und Eigenbau
Die Entwicklung in einer Trommel (zB. von Jobo) ist bis zum maximalen Umfang der Innenwand der Trommel moeglich. Also muessen wir hier ueber die entsprechenden Masse nachdenken:

kurzes Aussenmass des Prints [cm]

40

50

60

70

80

100

120

mindest Innenumfang [cm]

13

16

19

22

25

32

38


Und hier sehen wir dann auch, warum fuer die groesseren Formate die Trommel schnell an Groesse gewinnt. Die kaeuflichen Trommeln sind hierbei aber mit ihrem Umfang recht schnell am Ende. An dieser Stelle ist der Eigenbau aus (Ab-)Wasser Rohren moeglich, durch die solide Bauweise dieser Rohre nimmt auch das Gewicht dramatisch zu.
Ich persoenlich sehe auch gerne wie der Print sich entwickelt und bevorzuge aus diesem Grund die Entwicklung in der Schale.

Fotochemie
Das fuehrt unweigerlich zu Gedanken ueber die notwendigen Mengen bei den Chemikalien. Da ich bei einer Entwicklung im Bettkasten, immer dabei bleibe, und die Wanne bewege, kann ich die Chemikalienmenge deutlich reduzieren. Ich operiere dabei mit 1,2 bis 1,5 Liter Entwickler. Da ich die Wanne staendig bewege, sind kaum laengere Entwicklungszeiten notwendig. Ein Lithentwicklung eines solchen Papieres wuerde, um eine staendige ueberdeckung des Papieres zu erhalten, mit mind. 3 bis 4 Litern Entwickler stattfinden muessen. Auch waere hier eine zweite Wanne fuer ein Stoppbad zwingend notwendig.

Einschalenentwicklung
Um Platz zu sparen entwickle ich Prints ab 30x40 grundsaetzlich in nur einer Wanne. Hierbei bereite ich die Chemikalien in kleinen Eimern vor. Wenn der Abzug dann fertig belichtet in die Wanne kommt, uebergiese ich ihn mit dem Entwickler. Am Ende der Entwicklungszeit, giesse ich den Entwickler einfach in den Eimer zurueck. Danach kommt ein kurzes Zwischenbad mit Wasser um moeglichst wenig Entwickler in den Fixierer zu verschleppen. Das Fiexierbad erfolgt wie das Entwicklerbad, bei der anschliessenden Waesserung muss ich mehrmals wechseln.

Fazit

Zusammenfassend stelle ich fest, dass grosse Abzuege kein Hexenwerk sind, und eigentlich in jedem Hobbylabor zu machen sind. Schwierigkeiten bereitet weniger die Handhabung des Formates, sondern die technischen Randbedingungen wie die des Vergroesserers, der Lichtmenge, etc.

Quellen

Lloyd Erlick - Single Tray Process
Link aufgenommen am 05.01.2004, ueberprueft am 29.06.2004

Rudi Herrmann

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